Category Archives: Erfahrungssache

Blick in Baumwipfel

Waldbaden – ein Selbstversuch

In Zeitlupe laufe ich barfuß durch den Wald. Unter meinen Füßen fühle ich einen feuchten Mix aus alten Blättern und Modder. Humoser Boden, so nennt das der Fachmann. Aber Modder passt definitiv besser zu dem, was sich da gerade zwischen meine Zehen schiebt. Wann bin ich eigentlich schonmal barfuß durch den Wald gelaufen? Eigentlich nie – so ist das eben, wenn man als Kleinstadtkind aufwächst, denke ich. Dabei soll ich doch gar nicht denken. Nur fühlen und lauschen und atmen. Mit anderen Worten: im Wald baden.

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Blumenwiese

Aufblühen beim Gärtnern

Meine Großeltern hatten einen klassischen Schrebergarten und haben nebenbei noch im Garten meiner Eltern geholfen. Und den ganzen Sommer und Herbst über wurden Obst und Gemüse eingekocht. Gärtnern war für mich damit lange ein Hobby für alte Menschen, die der Grundversorgung aus dem Supermarkt nicht trauen. Mit anderen Worten: ziemlich spießig. Und jetzt verbringe ich selber jeden Tag viel Zeit im Garten, jage Blattläuse, päpple Setzlinge, suche im Internet nach Saatgut für ausgefallene Sorten und koche Sirup aus Gänseblümchen. Und dabei bin ich noch weit von der Rente entfernt. Höchste Zeit, herauszufinden, warum mich gärtnern so schrecklich zufrieden macht.

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Stein mit Aufschrift

Warum es gut ist, nicht immer zu bekommen was man will

Vor einigen Jahren las ich ein Zitat vom Dalai Lama, das perfekt zu dem passt, was ich für mich und mein Leben auch festgestellt habe: „Nicht zu bekommen was man will, ist manchmal ein großer Glücksfall.“ Wobei ich einschränkend hinzu fügen muss, dass man meist erst im Rückblick feststellt, dass der Dalai Lama – wie so oft – recht hat. Wohl dem, der da schon auf ein bisschen Leben zurück blicken kann.

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Brücke in Myanmar

Das Leben im Ausland verändert Dich weniger, als Du denkst

Mit zwei linken Füßen nach Brasilien umziehen und als Samba-König zurück kommen? In Deutschland keine fünf Minuten stillsitzen können, aber in Indien auf einmal problemlos stundenlang meditieren? Das wäre schön, aber so funktioniert das Leben im Ausland leider nicht. Denn nach drei Jahren in den Niederlanden, zwei Jahre in Indien und einem Jahr in Japan habe ich gelernt, dass man eine Sache immer und überall mit hinnimmt: sich selbst!

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beleuchtetes Schild Danke

Im Selbstversuch: Vier Wochen mit dem Dankbarkeits-Tagebuch

Wer regelmäßig notiert, wofür er dankbar ist, der wird zufriedener mit seinem Leben, weil er sich mehr auf positive Dinge konzentriert. So die Kurzversion, die in jeder zweiten Frauenzeitschrift zu lesen ist. Die wissenschaftliche Langversion liefert dazu die ergänzende Erklärung, dass es evolutionstechnisch hilfreich war, dass der Mensch über Millionen Jahre immer auf das Schlimmste vorbereitet war, das steigerte seine Überlebenschancen. Deswegen neigen wir bis heute dazu, eher das Schlechte als das Gute zu sehen. Dabei scheint es mir manchmal, als würde die Zukunft unserer Art inzwischen eher davon abhängen, dass wir eben nicht immer gleich der Welt Übles unterstellen und uns darüber öffentlich aufregen. Ich jedenfalls habe es ausprobiert und einen Monat lang ein Dankbarkeits-Tagebuch geführt.

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Einfahrt in den Containerhafen Algeciras

Vom Suez bis nach Hamburg – Mein Frachtschiff-Tagebuch Teil 2

Nach dem Suez-Kanal heißt es für die nächsten Tage wieder Wasser, Wasser, Wasser. Mehr ist nicht zu sehen. Zu spüren ist dagegen, dass es merklich kühler ist, so ohne heißen Wüstenwind. Es ist Sonntag, Tag Nummer 16 für mich, und während die Offiziere frei haben, putzt der Rest der Mannschaft das Schiff. Dem roten Sand Ägyptens wird mit dem Kärcher zu Leibe gerückt. So weit das geht jedenfalls, die rot gepuderten Containertürme müssen Wind und Regen in den nächsten Tagen vom Sand befreien, da kommt keiner ran. Während wir irgendwo vor Libyen unterwegs sind, habe ich zum ersten Mal auf dieser Reise ein kleines bisschen Langeweile. 

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CMA CGM Kerguelen

Mit dem Containerschiff um die halbe Welt – Mein Frachtschiff-Tagebuch Teil 1

Als ich im Nieselregen in Singapur am Kai stehe und nach oben blicke, muss ich leicht hysterisch lachen. Ich wusste, dass das Schiff groß sein wird. Aber „groß“ ist relativ. Und das hier ist relativ groß. 400 Meter lang, die Brücke befindet sich ungefähr 50 Meter über dem Meeresspiegel. Ich komme mir winzig vor. Erst recht, weil ich zwischen diesem riesigen Schiff und den noch größeren Kränen stehe, die es beladen. Und streng genommen darf ich hier gar nicht stehen. 

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Kämpfer zu Beginn eines Sumo-Kampfes

7 1/2 Lektionen fürs Leben, die ich beim Sumo gelernt habe

Ziemlich genau neun Stunden. So lange habe ich mehr oder weniger nackten Männern beim Ringen zugeschaut, denn so lange dauert ein Turniertag beim Sumo. Neun Stunden sind eine Menge Zeit, um über das zu philosophieren, was sich da unten im Ring abspielt. Vor allem während der ersten Tageshälfte, wenn das Stadion nach fast leer ist, während im Ring der Nachwuchs kämpft. Voll wird es erst am Nachmittag, wenn die Profis einziehen. Und so kam es, dass ich nicht umhin kam, festzustellen, dass im Sumo viele wertvolle Lektionen fürs Leben versteckt sind.

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