Stein mit Aufschrift

Warum es gut ist, nicht immer zu bekommen was man will

Vor einigen Jahren las ich ein Zitat vom Dalai Lama, das perfekt zu dem passt, was ich für mich und mein Leben auch festgestellt habe: “Nicht zu bekommen was man will, ist manchmal ein großer Glücksfall.” Wobei ich einschränkend hinzu fügen muss, dass man meist erst im Rückblick feststellt, dass der Dalai Lama – wie so oft – recht hat. Wohl dem, der da schon auf ein bisschen Leben zurück blicken kann.

Beispiel gefällig? Ich habe mich vor einigen Jahren mal bei einer Organisation beworben, die sich für eine gute Sache engagiert. Nach dem ersten Vorstellungsgespräch wurde ich zu einem zweiten Termin eingeladen. Ich hätte den Job wirklich gerne gemacht, aber am Ende haben sie jemand anderen ausgewählt. Das hat mich ganz schön angefressen. Bis besagte Organisation kurze Zeit später von einem Skandal erschüttert wurde und reihenweise Spender ihren Dauerauftrag kündigten. In der Konsequenz musste man Personal entlassen. Hätte ich den Job bekommen, wäre ich damals noch in der Probezeit und wahrscheinlich ziemlich schnell arbeitslos gewesen. Im Nachhinein war die Absage also ein absoluter Glücksfall.


Das Leben wird vorwärts gelebt aber rückwärts verstanden.

søren kierkegaard

Aus Niederlagen lernen

Aber ich denke, was der Dalai Lama meint, ist nicht nur die Tatsache, dass es manchmal wirklich schlicht Glück ist, wenn man etwas nicht bekommt, wie ich den neuen Job. Viel wichtiger ist es, aus solchen Niederlagen zu lernen. Ich habe damals eine Reihe Vorstellungsgespräche geführt und bin jedes Gespräch im Anschluss sehr selbstkritisch noch ein paar Mal durchgegangen. Von Gespräch zu Gespräch war ich dadurch besser vorbereitet. Und am Ende habe ich einen Job im Ausland bekommen und dort drei tolle Jahre verbracht, die mit zu den besten meines Lebens zählen. Und das, weil ich auf dieses eine Vorstellungsgespräch nach den vorherigen Erfahrungen einfach richtig gut vorbereitet war.

Manchmal kann einen eine Niederlage aber auch erstmal ganz schön aus der Bahn werfen. Nach dem Abitur wusste ich nicht so recht, was ich eigentlich studieren will. Es war definitiv mehr die Idee meiner Eltern als meine eigene, dass ich es mit Wirtschaftswissenschaften versuche. Ich habe das Studium vom ersten Tag an gehasst, habe mich mitten im zweiten Semester exmatrikuliert – und musste mir dann überlegen, was ich stattdessen machen will. Es hat ein Weile gedauert, aber am Ende war es ganz einfach: Ich wollte was studieren, was mir Spaß macht. Und so wurde es Geschichte und anschließend ein Berufseinstieg im Journalismus. Im Rückblick war der Leidensdruck bei der ersten Studienwahl also ungemein hilfreich, damit ich mich endlich mit meinen eigenen Wünschen beschäftige, statt den Ideen meiner Eltern zu folgen.

Niemand illustriert Verbote schöner als die Japaner – dieses Schild aus einem öffentlichen Badehaus lässt wissen, dass tätowierte oder betrunkene Gäste nicht willkommen sind

Das Positive suchen

Langer Rede kurzer Sinn: Ich versuche seit vielen Jahren, in allem, was in meinem Leben nicht klappt (oder zumindest nicht im ersten Anlauf), das Positive zu suchen. Manchmal dauert es zugegebenermaßen eine Weile, bis sich wirklich zeigt, dass die Dinge auch eine gute Seite haben. Oft lautet das Ergebnis schlicht, dass ich mich beim nächsten Mal besser vorbereiten muss. Aber das tue ich dann auch. Nicht selten habe ich einfach gelernt, was ich im Leben zukünftig nicht mehr will. Auch das ist eine wichtige Erkenntnis. Ziemlich oft musste ich feststellen, dass es das Universum gut mit mir meinte, als ich nicht bekommen habe was ich wollte. Weil danach etwas viel besseres passierte.

Übrigens: In der christliche Welt gibt es ein Pendant zur buddhistischen Weisheit des Dalai Lama, auch wenn es nicht ganz so optimistisch klingt. Bei uns weiß der Volksmund schon lange: “Wen der liebe Gott bestrafen will, dem erfüllt er seine Wünsche.”

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