CMA CGM Kerguelen

Mit dem Containerschiff um die halbe Welt – Mein Frachtschiff-Tagebuch Teil 1

Am nächsten Tag Regen, und das nicht zu knapp. Der Monsun macht sich bemerkbar. Der Wind pfeift, aber nach wie vor schwanken wir nur sehr leicht. Das ist der Vorteil, wenn man auf einem vollbeladenen XXL-Schiff reist. Für kleinere Schiffe ist dieses Wetter weit unangenehmer. Land ist nicht ins Sicht, aber der Computer auf der Brücke zeigt an, dass wir in Kürze an Sri Lanka vorbeischippern.

In den Maschinenraum

Es ist Tag Nummer fünf, und heute gibt es für die Passagiere ein kleines Extra, von dem Kreuzfahrttouristen nur träumen können: eine Tour durch den Maschinenraum! Wir bekommen Overall und Sicherheitsschuhe, setzen unseren Helm auf, und dann geht es in den Schiffsbauch. Je näher wird dem Maschinenraum kommen, umso wärmer wird es. Aber nicht nur das. Hier unten hört man, wie die Container sich bewegen und der Schiffsrumpf dagegen arbeitet. Die Ingenieure scherzen, dass sie einen Dinosaurier unter Deck halten, und so klingt es tatsächlich. Auf dem Weg zum Maschinenraum kommen wir an einer Klappe vorbei, hinter der sich eine Leiter noch weiter nach unten verbirgt. Von dort geht es zur Außentür im Schiffsrumpf, durch die die Lotsen an Bord gelangen.

Im Vorraum zum eigentlichen Maschinenraum bekommen wir Ohrstöpsel. Hier ist es richtig warm, und es wird gleich noch wärmer. Nach der einstündigen Tour muss ich erstmal duschen. Und die Ingenieure und ihr Team arbeiten hier stundenlang! Im Maschinenraum steht der riesige Motor mit elf Zylindern, der ausschließlich für den Antrieb der Schiffsschraube genutzt wird, die einen Durchmesser von zehn Metern hat. Die Antriebswelle dafür ist 60 Meter lang und dreht die Schraube gerade 70 Mal in der Minute. Bevor der Treibstoff in den Motor kommt, wird er gefiltert, um die Qualität zu verbessern, und auf 100 Grad vorgewärmt. Der Lärm ist selbst mit Ohrstöpseln ohrenbetäubend. Dafür ist alles sauber geputzt. Der Kontrollraum für den Motor sieht ein bisschen aus wie die Computerräume der NASA in alten Filmen. Riesige Schränke mit der Technik und ein Steuerstand, der fast identisch ist mit dem auf der Brücke. Theoretisch kann man das Schiff von hier unten auch steuern. Bloß sieht man nicht, wo man hinfährt. Es muss also schon jemand von der Brücke aus die Kommandos geben.

Der riesige Motor mit elf Zylindern geht über mehrere Etagen

Für die Stromerzeugung an Bord gibt es vier separate Generatoren. Sie versorgen nicht nur Brücke, Kombüse und Kabinen, sondern sorgen auch dafür, dass die Kühlcontainer an Bord die ganze Fahrt über ihre Fracht kühlen können. Hier unten ist zudem die Wasseraufbereitung für unsere Duschen. Für die wird Meerwasser gefiltert. Auch das Abwasser wird hier gesammelt und gefiltert. In bestimmten Zonen darf es ins Meer gelassen werden, an anderen Stellen (etwa in der Nordsee) ist das Ablassen von Abwasser dagegen streng verboten. 

Ist die Erde doch eine Scheibe?

Es ist Tag sechs an Bord, wir sind zwischen Indien und den Malediven unterwegs, auch wenn man davon nichts sieht. Die Uhr wurde schon wieder eine Stunde zurück gestellt, und weil das Wetter etwa ruhiger geworden ist, hat die Mannschaft den Pool gefüllt. Der ist unter Deck und in ihm schwappt Meerwasser. Leider ist das Schwimmbecken ziemlich klein, ich kann genau drei Züge machen. Außer uns Passagieren nutzt den Pool daher auch niemand. Die Mannschaft stemmt lieber Gewichte im Fitnessraum. 

Sonnenuntergang mit Frachtschiff

Später sitze ich auf der Brücke. Andere Schiffe treffen wir nur selten, außer Wasser gibt es nichts zu sehen. Ich beginne zu verstehen, warum die Menschen früher dachten, die Erde sei eine Scheibe, von der man herunterfallen kann. Der Blick zum Horizont erweckt den Eindruck, die Erde sei da hinten tatsächlich zu Ende, und das Meer stürzt als Wasserfall in die Tiefe – und alle Schiffe mit ihm. Der Himmel scheint sich am Horizont über das Wasser zu stülpen wie eine Glocke.

Kurz vor dem Abendessen zeigt mir der OOW die Fontäne eines Wals. Er ist leider so weit weg, dass ich ihn nur durch das Fernglas springen sehe. Wahrscheinlich sind wir ihm zu laut, unter Wasser dürfte er unseren Motor auch da hinten noch hören.

4 comments

  1. Ich beneide Dich um den Sternenhimmel – den haben wir nirgends so richtig in Indien gefunden – die klaren Nächte gibts da wohl auch nur im April/Mai/Juni. Müssen wir halt noch mal nach Afrika irgendwann…

  2. Wow! Ich wusste bisher gar nicht, dass man so von Japan bzw Singarpur nach Deutschland reisen kann! Ich habe mich schon oft gefragt, ob und wie es wohl mit dem Schiff möglich wäre… danke für deine tollen Berichte aus Japan! Ich wohne jetzt schon seit zwei Jahren hier und konnte aus deinen Kyoto Chroniken noch sehr viel lernen!

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